1. Der Ahrensburger Kirchenvorstand (KV) verweigert sich dem Dialog.
Seit wir im Januar 2011 unsere Thesen auf www.dialog-in-ahrensburg.de
zur Diskussion gestellt haben, ist ein halbes Jahr vergangen. Über 100
Mitglieder und ehemalige Mitglieder der Ahrensburger Kirchengemeinde
haben unseren Aufruf unterstützt. Eine Reaktion des KV steht weiter aus.
2. Es fehlt dem KV an Courage, sich der eigenen Verantwortung zu stellen.
Das Moratorium des KV, das vom 4. Februar bis zum 18. April 2011
andauerte, diente offenbar weniger der Einkehr und dem Nachdenken über
das Geschehene, als vielmehr dem Wegducken vor berechtigter Kritik.
3. „Wer nicht fragt, bleibt dumm“
Ein Kinderlied behauptet, Nicht Wissen habe auch mit Nicht Fragen zu tun. Einige der 1999-KV-Mitglieder, wollen damals nichts von der Tragweite der Vorwürfe gegen den ehemaligen Pastor Kohl erfahren haben. Unabhängig davon, wie umfänglich die damalige Pröpstin Heide Emse den Kirchenvorstand informierte, geht es auch darum, was jede und jeder einzelne damals aus Gesprächen oder eigenen Beobachtungen gewusst oder geahnt hat und welche Fragen sich daraus ergaben oder hätten ergeben müssen.
4. Die Gemeinde zerbricht am Mangel aufrichtiger Aufarbeitung.
In einem Leserbrief wurde jüngst die Befürchtung ausgedrückt, man wolle die Schuld von Einzelnen auf "unschuldige Schultern" abwälzen. Unserer Meinung nach, geht es nicht um ein Verschieben von Schuld, sondern um die Ermöglichung eines offenen und aufrichtigen Dialogs in der Gemeinde. Dieser kann nur gelingen, wenn ein jeder über dem "Splitter im Auge" des Anderen nicht den "Balken" im eigenen Auge übersieht (Matth. 7.).
5. Christentum muss sich auch zur Vergebung bekennen.
Wir haben in unserem Aufruf zu Jahresbeginn für einen christlicheren Umgang miteinander geworben – im Wissen und Bestürzung darüber, dass offenkundig Unrecht geschehen und Menschen verletzt worden sind. Wenn andere Leserbriefschreiber und Kommentatoren unter dem Deckmantel von "christlich gebotener Fürsorge" schreiben, so meinen sie wohl in ihren Äußerungen leider allzu oft eigentlich die äußerst unchristlichen Kategorien Strafe und Vergeltung.
6. Die Suche nach einem Sündenbock hilft niemandem – auch und gerade den Opfern des Mißbrauchs nicht!
Nur wenn alle Beteiligten sich zunächst nach ihrem eigenen Wissen und Gewissen befragen und dazu bekennen, ist verantwortliches Handeln
möglich, das sexuellen Missbrauch in der Zukunft vermeidet. Zu Bekenntnissen, wie in dem Satz "Ich habe mich schuldig gemacht", fanden nur wenige den Mut und wurden dafür sogleich geächtet und ausgestoßen. Diese Haltung zu verändern braucht Unterstützung und Impulse von außen, z.B. durch einen unabhängigen Moderator.
Nele McElvany, Berlin
Nils Kiesbye, Hamburg
Nikolaus Lemberg, Eyendorf
Werner Treß, Berlin |